Erfolgsgeschichte – Rocky
Rocky und Thomas
Thomas und sein dreijähriger Schäferhund Rocky waren ein eingespieltes Team. Zu Hause war Rocky gut zu handhaben. Er hatte einen Garten, und Thomas beschäftigte ihn auch viel geistig. Außerhalb des Hauses wurde allerdings jeder Spaziergang zum Spießrutenlauf.
Sobald Rocky einen anderen Hund, einen Passanten, ein Auto oder Motorrad sah, rastete er völlig aus. Thomas erreichte ihn in solchen Momenten kaum noch.
Irgendwann ging er mit Rocky nur noch nachts spazieren, um Begegnungen möglichst aus dem Weg zu gehen. Sein ganzes Leben wurde zunehmend von Rockys Verhalten bestimmt.
Thomas war mit den Nerven am Ende. Er wandte sich an uns, weil er Rocky stationär ausbilden lassen wollte. Auch er selbst musste erst einmal zur Ruhe kommen.
Schon bei der Ankunft merkten wir, wie nervös Thomas war. Vor unserem geöffneten Eingangstor holte er Rocky aus dem Auto und konnte ihn nicht richtig festhalten.
Rocky stürzte sich sofort auf Raimond und biss ihm in den Oberarm.
Raimond blieb ruhig und bat Thomas, mit Rocky an ihm vorbeizugehen. Wir möchten auch erwähnen, dass wir in unserer Arbeit auf Maulkörbe verzichten. Thomas hatte den Maulkorb auf unsere Bitte hin vorher abgenommen. Wir nutzen Maulkörbe ausschließlich bei Tierarztbesuchen.
Für Thomas brach eine Welt zusammen. Er dachte, wir würden ihn nach diesem Vorfall gleich wieder wegschicken. Doch genau da fängt Raimonds Arbeit an. Er kennt solche heftigen Reaktionen und weiß aus seiner langjährigen Erfahrung, wie er mit Hunden unter großer Anspannung umgehen kann. Wir schickten Thomas nicht weg.
Wir nahmen Rocky auf.
Was folgte, waren zwölf Wochen intensive stationäre Arbeit. Die ersten Tage waren dem Stressabbau gewidmet. Rocky stand nach unserer Einschätzung seit langer Zeit unter erheblicher Anspannung. In einer neutralen Umgebung, mit klarer Führung und intensiver Betreuung lernten wir ihn zunächst richtig kennen.
Rocky war kein böser Hund. Er war überfordert und hatte offenbar gelernt, auf bestimmte Reize mit einem heftigen Angriff zu reagieren. An diesem gefestigten Verhalten musste Raimond Schritt für Schritt arbeiten.
Er zeigte Rocky andere Möglichkeiten, mit schwierigen Situationen umzugehen, trainierte die Impulskontrolle und arbeitete daran, dass Rocky auch unter großer Ablenkung ansprechbar blieb. Dazu gehörte vor allem, dass Rocky sich an seinem Menschen orientieren konnte, statt sofort in sein bisheriges Verhalten zu fallen.
Doch das beste Training hilft auf Dauer wenig, wenn der Halter nicht weiß, wie er im Alltag damit umgehen soll. Deshalb wurde Thomas am Ende von Rockys Aufenthalt drei Tage lang intensiv bei uns angeleitet. Raimond fuhr außerdem für zwei Tage zu Thomas nach Hause, um mit ihm dort zu üben, wo Spaziergänge zuvor besonders schwierig gewesen waren.
Es war ein hochemotionaler Moment, als Thomas schließlich mit Rocky an lockerer Leine durch eine belebte Innenstadt ging. Vorbei an anderen Hunden und Fußgängern.
Rocky blieb ruhig, orientierte sich an Thomas und hielt Blickkontakt. Was für viele Hundehalter selbstverständlich ist, war für die beiden lange nicht möglich gewesen.
Thomas und Rocky hatten ein großes Stück Lebensqualität zurückgewonnen. Rocky konnte endlich wieder der entspannte Begleiter sein, den Thomas sich gewünscht hatte.
Wir vereinbarten, dass eine Nachschulung vor Ort in den nächsten Monaten sinnvoll sein könnte. Vor allem, damit Thomas weiter Sicherheit bekommt und die gemeinsamen Fortschritte im Alltag erhalten bleiben.