Erfolgsgeschichte – Balu

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Balu hatte vor fast allem Angst

Als Balu bei Sarah einzog, hatte sie sich auf das Leben mit ihrem jungen Rüden aus dem Auslandstierschutz gefreut. Doch schon die ersten gemeinsamen Tage zeigten, wie schwer ihm vieles fiel, was zu einem normalen Hundealltag gehört.

Balu hatte vor fast allem Angst. Sobald Sarah mit ihm das Haus verlassen wollte, geriet er in Panik. Er versuchte, sich aus dem Geschirr zu befreien, sprang gegen Zäune und war dann nicht mehr ansprechbar. Selbst im eigenen Garten konnte ein plötzliches Geräusch oder der Wind ausreichen, um ihn in große Angst zu versetzen.

Nach meiner Einschätzung litt Balu unter einem schweren Deprivationssyndrom. Er war in seinen ersten Lebensmonaten völlig isoliert aufgewachsen. Ihm fehlten damit wichtige Erfahrungen mit Menschen, Geräuschen und seiner Umwelt. Das machte es ihm schwer, alltägliche Situationen einzuschätzen und zu bewältigen.

Für Sarah wurde der gemeinsame Alltag immer eingeschränkter. Spaziergänge waren kaum möglich, und sie machte sich zunehmend Sorgen um Balu. Schließlich brachte sie ihn zu uns in die stationäre Intensivtherapie.

Bei seiner Ankunft mied Balu jeden Blickkontakt und war dauerhaft angespannt. Wir konnten von ihm zu diesem Zeitpunkt keine normalen Trainingsleistungen erwarten.

Die ersten vier Wochen seiner insgesamt zwölf Wochen bei uns standen deshalb ganz im Zeichen des Stressabbaus.

Balu wurde rund um die Uhr betreut. Feste Tagesabläufe halfen dabei, seinen Alltag berechenbarer zu machen. Wir gingen sehr behutsam mit ihm um und arbeiteten anfangs vor allem über ruhige Signale. Zunächst musste seine starke Stressreaktion nachlassen. Erst als er anfing, Vertrauen zu fassen, konnten wir die nächsten Schritte angehen.

Danach begannen wir mit der systematischen Desensibilisierung. Wir führten Balu in kleinen Schritten an Umweltreize heran und achteten darauf, dass die Situationen für ihn bewältigbar blieben. Die Reize sollten unterhalb seiner individuellen Reizschwelle liegen, damit er neue Erfahrungen sammeln konnte, ohne sofort wieder in Panik zu geraten.

Seine tief sitzenden Ängste und die traumatischen Erfahrungen aus der frühen Zeit waren damit nicht einfach verschwunden. Doch nach und nach gelang es Balu, mehr von seiner Umgebung wahrzunehmen. Ruhig bewältigte Situationen verbanden wir mit positiven Erfahrungen. Im Laufe der zwölf Wochen wurde er aufgeschlossener und zeigte immer öfter Neugier.

Auch Sarah begleiteten wir während dieser Zeit. In regelmäßigen Telefonaten besprachen wir, wie sich Balu entwickelte, was ihn belastete und was sie selbst im Umgang mit ihm brauchte. Ihre Sorgen und Unsicherheiten hatten dabei ebenso Platz wie die Vorbereitung auf die gemeinsame Zeit nach dem Aufenthalt. Es war wichtig, dass auch sie wieder Sicherheit und Zuversicht gewann.

Unterstützend setzten wir eine Bachblütentherapie ein, um seine innere Anspannung zu lindern und ihm das Ankommen in der neuen Umgebung zu erleichtern.

Zum Abschluss blieb Sarah drei Tage bei uns, um gemeinsam mit Balu zu trainieren. Sie lernte, seine feinen Stresssignale früher zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Wir übten mit ihr, wie sie ihn in schwierigen Situationen durch ihre eigene ruhige Körpersprache begleiten und ihm Halt geben kann.

Heute können die beiden wieder spazieren gehen und gemeinsam den Stadtpark erkunden. Das war zu Beginn kaum vorstellbar gewesen. Sarah hat gelernt, ihren Hund besser einzuschätzen, und Balu kann sich in vielen Situationen besser an ihr orientieren.

Wir bleiben auch nach dem Aufenthalt für Sarah ansprechbar. Wenn sie Fragen hat oder Unterstützung braucht, sind wir weiterhin für sie da.